Ins Klassenziel gezittert hat sich der TuS Erndtebrück durch den 2:0 (1:0)-Erfolg im letzten Oberliga-Heimspiel der Saison gegen Absteiger 1. FC Gievenbeck. Gegenüber dem Mittwoch-Spiel in Dortmund, in dem der TuS eine seiner besten Leistungen dieser Spielzeit zeigte, war die Mannschaft auf eigenem Geläuf nicht wiederzuerkennen. Selbst das frühe 1:0 nach genau 90 Sekunden durch das Eigentor des Münsteraner Innenverteidigers Maximilian Brüwer, der den von der Querlatte abspringenen Kopfball von Adnan Terzic endgültig über die Linie drückte, vermochte den Wittgensteinern nicht die festen Fesseln zu lockern, die ihnen die Abstiegsangst offensichtlich angelegt hatte.

Da war kein Zusammenspiel, da war keine Torgefahr, da war bei aller Verbissenheit und allem spürbaren Willen ausnahmslos Stückwerk. Grund genug für Trainer Michael Müller, entgegen seines besonnenen Wesens in der Halbzeitpause mächtig auf die Standpauke zu hauen: „Wollt ihr das Spiel etwa noch herschenken?“, schallte es durch die geschlossene Kabinentür.

Er hatte eine Gäste-Mannschaft gesehen, die mit ihren recht bescheidenen Mitteln Schrecken im Strafraum vor Keeper Paul Schünemann verbreitete. Wenn es auch zu keinem echten Abschluss reichte, genügte das, um die Deckung der Erndtebrücker des öfteren wie einen Hühnerhaufen aufzuscheuchen. „Da muss ich dann auch schon mal laut werden, auch wenn das nicht meine Art ist“, so Müller nach der Partie.

Er hatte so zumindest die Scherben zusammengefegt und dafür gesorgt, dass in Durchgang zwei die Sache von seinem Team weitaus cooler angegangen wurde. Da genoss Ballbesitz erste Priorität, ohne dass an der Effektivität geschraubt worden wäre. Bei nachlassenden Gästen, die sich spätestens nach 60 Minuten mit dem Gang in die Westfalenliga abgefunden hatten (Trainer Benjamin Heeke: „Wir sind heute gefühlt zum fünften Mal abgestiegen …“), reichte das letztlich aus, um dieses 1:0 in die letzten 20 Minuten zu schaukeln.

Mit dem 2:0 nach 74 Minuten, als sich Abbas Attia plötzlich allein vor dem Tor gegen Keeper Henning Reichel einfand, waren dann alle Zweifel an einem Erndtebrücker Erfolg und am Erreichen der 40-Punkte-Marke beseitigt. „Das war dann schon recht clever, auch wenn es nicht gut ausgesehen hat“, erkannte der TuS-Trainer die zumindest mentale Steigerung seines Teams an.

„Du kannst in einer solchen Situation nicht hurra nach vorne spielen.“ Bilanzierend meinte er im Rückblick auf die fünf Wochen im Amt: „Das war echt nervenaufreibend und jetzt sind wir alle froh, dass wir es geschafft haben.“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Vielleicht noch eins: Philipp Böhmer wird den TuS nach sechs Jahren, zwei Regionalliga-Aufstiegen und drei Auftritten im DFB-Pokal verlassen. Der 31-jährige Betzdorfer hat noch keine Pläne für eine fußballerische die Zukunft: „Vielleicht fange ich ja auch irgendwo als Trainer an, ich habe da ein, zwei Anfragen …“ Der Abschied wird ihm mit dem realisierten Klassenerhalt leichter fallen.

Schiedsrichter: Lars Bramkamp (TuSHattingen) - Zuschauer: 127
Tore: 1:0 Maximilian Brüwer (2. Eigentor), 2:0 Abbas Attiee (74.)

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