Mit dem Ziel, zum ersten Mal Zählbares aus der Fremde mit nach Hause zu bringen, hatte sich der Tross der TuS Erndtebrück auf den Weg ins Stadion an der Oststraße gemacht, wo der starke Aufsteiger RSV Meinerzhagen auf die Pulverwäldler wartete. Mit 2:0 (1:0) setzten sich die Gastgeber vor 300 Zuschauern bei strömenden Regen durch und das war vollkommen verdient, schließlich kam der TuS in Durchgang eins kaum einmal aus der eigenen Hälfte und war mit dem knappen Rückstand zur Pause noch gut bedient. Zwar gab es in Halbzeit dann eine Steigerung und durch Eren Bilgicli hatte Erndtebrück die riesige Chance auf den Ausgleich. Letztendlich aber spiegelte das Geschehen auf dem Feld wieder, warum der RSV Meinerzhagen im Oberliga-Klassement deutlich vor dem TuS Erndtebrück steht.

„Wir haben Balleroberungen gehabt, aber hatten dann keinen Mut und haben die Bälle einfach hergeschenkt. Das haben wir in der Halbzeit auch angesprochen“, erklärte Trainer Alfonso Rubio Doblas. Denn von Beginn an schnürten die Meinerzhagener den TuS hinten ein, gewannen das Spielgerät durch aggressives Gegenpressing nach Ballverlusten meist umgehend wieder zurück, während sich die Erndtebrücker auch im Spielaufbau zu viele Ungenauigkeiten erlaubten. Haarscharf verpasste der RSV, der kurzfristig auf Innenverteidiger Sven Wurm verzichten musste, die Führung, als Marcel Kandziora eine Flanke von Rapahel Gräßer per Kopf aus kurzer Distanz neben den Pfosten beförderte (13.). Einer weiteren Großchance von Alessandro Tomasello folgte dann die verdiente Führung. Der bärenstarke Kandziora nutzte seine zweite Gelegenheit nach perfekt getimter Flanke von Julian Jakobs (25.).In der Folge spielte weiter nur ein Team und das war der RSV. Zu diesem Zeitpunkt musste man als Erndtebrücker Sorge haben, dass dieser Nachmittag böse endet. Doch nach dem Seitenwechsel wurde aus der Einbahnstraße tatsächlich noch ein spannendes Fußballspiel.

Denn der TuS nahm von nun an auch am Geschehen teil und hatte sogar, wie aus dem Nichts, die große Chance zum Ausgleichstreffer. Einen Freistoß aus knapp 20 Metern setzte der ehemalige Meinerzhagener Eren Bilgicli an den linken Torpfosten (55.). „Bei 1:1 sieht so ein Spiel anders aus. Meinerzhagen macht das Tor, wir nicht. Das ist der Unterschied“, befand Rubio Doblas auch im Angesicht einer weiteren dicken Möglichkeit, die Manfredas Ruzgis ausließ und nach guter Einzelaktion an RSV-Keeper Johannes Focher scheiterte. Die Entscheidung brachte dann ein Strafstoß. Tatsuya Yamazaki war Julian Jakobs – der anschließend verletzt ausgewechselt werden musste – auf den Knöchel gestiegen. Den fälligen Elfmeter verwandelte Ron Berlinski sicher (69.). Hätte Ruzgis per Kopf nochmal verkürzt (68.), wäre Erndtebrück wieder im Geschäft gewesen. So aber blieb es beim 2:0, obwohl der TuS auf eine Dreierkette umstellte und alles daran setzte, zurück zu schlagen.

Letztlich aber war Meinerzhagen dem dritten Treffer dann näher als die Pulverwäldler dem Anschluss. Die konnten sich beim RSV bedanken, der den Ball förmlich ins Tor tragen wollte und die sich ergebenden Räume zwar bis zum Strafraum nutzte, in selbigem aber nicht mit letzter Konsequenz agierte. Nach Berlinski-Querpass rettete Taach noch einmal sehenswert gegen den eingewechselten Ali Özdemir (88.). Meinerzhagens Mutlu Demir fasste zusammen: "Zu Null gewonnen, das nehmen wir gerne mit und sind zufrieden mit der Mannschaftsleistung. Chancenverwertung ist bei uns ein leidiges Thema. Es ist gut, dass wir uns die Chancen erarbeiten. In den nächsten Wochen werden wir dann daran arbeiten, sie so gut es geht umzumünzen."

„Der Gegner hat verdient gewonnen, da gibt es keine zwei Meinungen“, konstatierte hingegen der TuS-Coach, „Nadelstiche hatten wir. Die Mannschaft hat sich heute wieder einmal vernünftig präsentiert. Wir müssen Kleinigkeiten abstellen, die der Gegner uns noch voraus hat.“ Bereits am Donnerstag hat Erndtebrück dazu die nächste Gelegenheit, wenn erneut ein Auswärtsspiel auf dem Programm steht, das es ebenfalls in sich hat. Dann gastiert Erndtebrück bei der U23 des SC Paderborn.

fupa.net