Keine Banner, keine Flaggen, keine Stimmung. Oder anders: Selten waren 526 Zuschauer, die zum Derby an den „Pulverwald“ gereist waren, so leise. Die Gästetribüne in Erndtebrück fiel wie sonst auch häufig durch Leere auf – dabei war sie gefüllt mit den Anhängern der Sportfreunde aus Siegen. Doch die waren allenfalls eine Randnotiz, schwiegen bis zum Schluss und krönten ihren Auftritt mit Beschimpfungen und „Dapprich-Raus“- Rufen nach dem Abpfiff, der die 1:2- Derbypleite der Siegener besiegelte. Die Sportfreunde fallen durch die Niederlage auf den ersten Nichtabstiegsplatz zurück, Erndtebrück lauert nun mit drei Zählern weniger dahinter.

Unter der Woche hatten die Sportfreunde auf das Fehlverhalten einiger Anhänger in den Spielen zuvor Stellung bezogen und forderten ein ‚angemessenes Verhalten’ sowie ‚emotionales Anfeuern’ ein. Doch genau das blieb im Derby aus. Dass die Anhänger nun mit einem Streik reagierten, ist mindestens unglücklich. Denn heute hätten die Siegener die Unterstützung von außen sicherlich gut gebrauchen können.

Die Anfangsphase gehörte nämlich den Gastgebern, die wenigstens auf dem Platz für Derby-Stimmung sorgten. Immer wieder wurden die beiden Spitzen Murat-Kaan Yazar und Manfredas Ruzgis mit langen Bällen in Szene gesetzt. Siegen hingegen leistete sich einige Fehler im Aufbauspiel und musste frühzeitig den Rückstand hinnehmen. Tobias Filipzik hatte Ruzgis elfmeterreif gefällt, der Gefoulte verwandelte souverän (17.). SFS-Trainer Dominik Dapprich monierte nach der Partie: „Wir sind die ersten Minuten gar nicht ins Spiel gekommen. Erndtebrück hat das gut gemacht und hat uns gut angelaufen.“

Sein Gegenüber, TuS-Coach Alfonso Rubio Doblas hingegen kritisierte: „Wir haben gut angefangen, danach aber den Faden verloren. Siegen wurde besser und hat uns hinten rein gedrängt.“

Die Sportfreunde mussten unter anderem auf den gelb-gesperrten Mittelfeldmotor Björn Jost verzichten. Doch auch ohne ihren Kapitän fanden die Siegener ins Spiel zurück und glichen dank Jacob Pistor aus: TuS-Keeper Niklas Knopf sah bei dem Gegentreffer recht unglücklich aus. Statt zu klären, schlug der aus dem Kasten geeilte Torwart ein Luftloch. Pistor spitzelte den Ball an ihm vorbei und brachte die Sportfreunde zurück ins Spiel (38.).

Jedoch haderte Dapprich mit dem, was nach der Pause folgte: „Wir kommen aus der Kabine und wollen das Spiel in die Hand nehmen. Doch dann legen wir uns den Ball selbst rein. Es sind individuelle Fehler, die uns heute wieder mal die Punkte gekostet haben.“

Die Siegener liefen nach eigenem Einwurf in einen Konter – Yazar war den Schritt schneller, umkurvte Siegens Keeper Christoph Thies und brachte die Mannen vom „Pulverwald“ in Front (55.). Auf der Gegenseite rettete Knopf gegen Fuad Dodic (56.). Das war der Zeitpunkt, an dem das Derby nun so richtig Fahrt aufnahm.

Ein Offensivfoul von Moritz Brato löste eine Rudelbildung aus, bei der es Referee Marcel Benkhoff bei einer Verwarnung für Thies beließ (63.). Dann verschätzte sich SFS-Verteidiger Furkan Yilmaz. Yazar profitierte davon, schoss aber vorbei (72.). Zehn Minuten später hatte der Torschütze Feierabend und wurde gegen Erlon Sallauka ausgetauscht (83.). Dieser war aber nicht mal eine Minute lang am Feld: Sallauka ging gegen Satoshi Horie mit gestrecktem Bein zu Werke und wurde mit glatt Rot des Feldes verwiesen (83.).

In Überzahl warfen die Sportfreunde alles nach vorne. Mit Till Hilchenbach kam ein kopfballstarker Spieler, der immer wieder mit langen Bällen gesucht wurde. Doch TuS-Rückhalt Knopf entpuppte sich letztlich als Matchwinner: Erst hielt der Keeper gegen Leandro Fünfsinn (89.), dann lenkte Knopf einen Kopfball von Ryo Suzuki an die Latte (91.).

Am Ende urteilte SFS-Coach Dapprich: „Wir haben viele Fehlpässe gespielt und nur in den letzten Minuten noch Torgefahr ausgestrahlt. Knopf hält gut, aber wir müssen uns vorwerfen, dass wir in Überzahl den Ball nicht ins Tor bringen konnten.“

Indes schloss Erndtebrücks Linienchef Rubio Doblas: „Wir haben uns gegen das Unentschieden gestemmt, hatten auch ein bisschen Glück. Die Mannschaft hat dabei fortgeführt, was sie in Hamm gezeigt hat, kämpferisch alles in die Waagschale geworfen und sich mit dem Derbysieg belohnt. Das freut mich auch für die Zuschauer, die uns die Stange gehalten haben, als es nicht so gut lief.“

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