Florian Schnorrenberg hatte es befürchtet, die letzte Gewissheit kam mit einem Anruf gestern, kurz bevor er zum Abschlusstraining vor dem vorgezogenen letzten Hinrunden-Auftritt des Regionalligisten TuS Erndtebrück (17.) heute (19.30 Uhr) beim FC Wegberg-Beeck (15.) aufbrechen wollte: Dominik Jordan hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen. Im Training habe sich der Rechtsverteidiger verletzt, erklärte der Erndtebrücker Fußballlehrer: „Fünf Minuten vor dem Ende, ganz ohne Fremdeinwirkung.“ Das vordere Kreuzband an Jordans linkem Knie sei kaputt, das hätten die ersten Bewegungstests schon vermuten lassen.

Für den 23-Jährigen „ist die Saison zu Ende“, sagte Schnorrenberg. Jordan war im Sommer vom Nord-Regionalligisten FC Schönberg 95 an den Pulverwald gekommen. Davor spielte er seit der Jugend beim Hamburger SV. Beim TuS entwickelte er gleich zu den festen Größen im Team, war einer der Spieler mit den meisten Einsatzminuten. Unlängst, beim 2:0-Sieg im Westfalenpokal-Viertelfinale gegen den RSV Meinerzhagen, hatte Schnorrenberg den Abwehrspieler deshalb geschont und erst in der 64. Minute eingewechselt. 20 Minuten später sah Jordan die Rote Karte; nach dem Spiel in Wegberg-Beeck hätte er wieder mitwirken dürfen.

Der lange Ausfall von Jordan trifft die Wittgensteiner hart: sowohl im Hinblick auf den weiteren Verlauf der Saison als auch aktuell im Kellerduell zweier Aufsteiger. Neben Jordan muss Schnorrenberg am Niederrhein nämlich ohne sechs weitere Akteure auskommen: Kapitän Tim Treude (kein Bänderriss am Knie, aber Schlag auf den Knorpel) wird nach seiner Trainingsverletzung aus der letzen Woche „bis zur Winterpause“ (Schnorrenberg) aussetzen müssen. Zudem fehlen Mory Konate (Adduktoren), Xhuljo Tabaku (Adduktoren), Torwart Paul Schünemann (Sehnenanriss am Sprunggelenk) und Ilyass Mirroche (am Innenmeniskus erfolgreich operiert) wegen Verletzungen; Niklas Zeller steht heute aus familiären Gründen nicht zur Verfügung. Schnorrenbergs Analyse: „Wir haben einen hohen Preis dafür gezahlt, dass wir bis ins Halbfinale des Westfalenpokals gekommen sind.“

Gute Voraussetzungen sehen anders aus. Gerade für jenes Spiel, das für den Ranglisten-Vorletzten aus Erndtebrück die letzte Chance ist, in der Hinrunde noch einmal Boden gegen einen direkten Konkurrenten aus dem Tabellenkeller gutzumachen. Zuletzt klappte das bekanntlich nicht. Nach dem

Hoffnungsschimmer, dem 3:1-Sieg vor zwei Wochen gegen den 1. FC Köln U23 (16.), musste sich der TuS beim Bonner SC (14./0:3) und gegen RW Essen (12./0:2) geschlagen geben. Schnorrenberg versucht nun, aus dem personellen Engpass neue Motivation abzuleiten: „Wenn man wechseln muss, kommt vielleicht Frische ins Team.“ Benjamin Kraft hat in den letzten beiden Spielen schon Jordan ersetzt. Vor Wochenfrist, beim 0:2 gegen Essen, brachte Cedric Heller nach seiner Einwechslung neuen Schwung, hatte sogar noch eine Torchance auf dem Fuß.

Vor Saisonbeginn sah Schnorrenberg sein Team, Wegberg-Beeck und den westfälischen Mitaufsteiger Westfalia Rhynern (18.) in ähnlichen Rollen: „Die drei Clubs haben keine Vereinsstruktur für die Regionalliga.“ Wegberg-Beeck, übrigens wie Erndtebrück nach nur einem Jahr wieder in die Regionalliga zurückgekehrt, hätte „einen glücklichen Lauf“ gehabt. Das Team vom Niederrhein punktete gegen die Konkurrenz in der unteren Region, aber auch gegen Rödinghausen (3./3:1), Wiedenbrück (4./3:0), Dortmund (9./11) oder wie in der Vorwoche bei RW Oberhausen (5./1:1). Bei Erndtebrück stehen lediglich zwei Siege und fünf Unentschieden zu Buche.

In Oberhausen wendete die Mannschaft von Trainer Dirk Ruhrig eine Niederlage noch in der 89. Minute mit dem neunten Saisontor von Sphend Hasani ab. Fünfmal hat zudem Sahin Dagistan getroffen. „Allein die Beiden haben mehr Tore gemacht als meine ganze Mannschaft“, weiß Schnorrenberg. Er betont aber auch trotzig: „Wir arbeiten sicher mehr und härter als andere Mannschaften. Die Saison ist noch nicht vorbei.“

Quelle fupa.net