Florian Schnorrenberg hält den Ball flach. Als ob es gelte, womöglich aufkommenden Übermut beim Fußball-Regionalligisten TuS Erndtebrück nach dem 0:0 im Nachholspiel am Dienstag bei Borussia Mönchengladbach 2. (11. Platz) gleich im Keim zu ersticken. „Es war ja nur ein Punkt“, sagt der Trainer des Tabellenvorletzten aus dem Wittgensteiner Land, „nicht mehr und nicht weniger.“

Zurückhaltung ist also angesagt, bevor am Samstag (14 Uhr), am 25. Spieltag, der Tabellenfünfte RW Oberhausen am Pulverwald gastiert. Es ist das erste Heimspiel der Erndtebrücker seit der 0:2-Niederlage gegen RW Essen (13.) am 4. November. Danach gewann der TuS noch beim Mitaufsteiger FC Wegberg-Beeck (16.) mit 3:2 (der bislang dritte Saisonsieg), verlor bei der SG Wattenscheid 09 (10.) mit 0:3, bevor das Schnorrenberg-Team in den unerwartet langen, fast vier Monate dauernden Winterschlaf bis zum Auftritt in Mönchengladbach fiel.

Nun also Oberhausen. Schnorrenberg erwartet den „Top-Club aus der Regionalliga“ in Bestbesetzung. Vor zwei Wochen haben die „Rot-Weißen“ mit 1:0 gegen Alemannia Aachen (4.) gewonnen, Anfang Februar im Viertelfinale des Niederrhein-Pokals mit 2:0 beim Klassenrivalen KFC Uerdingen (2. Platz). Mehr Warnung geht kaum. Als Beleg für die Ambitionen des Clubs sieht Schnorrenberg zudem, dass RWO gerade eine Lizenz für die 3. Liga beantragt hat.

Im Hinspiel hatte Erndtebrück 43 Minuten lang ein gutes Spiel im Niederrhein-Stadion abgeliefert. Dann kam Oberhausen nach einem Fehlpass unbedrängt zum Flanken – das 0:1 war der Anfang einer am Ende deutlichen 0:3-Schlappe. Was folgte war eine Negativserie der Wittgensteiner: sieben Spiele ohne Sieg, dabei nur ein Unentschieden (0:0 bei Borussia Dortmund 2.), 1:19 Tore und der Absturz auf den vorletzten Tabellenplatz. Mit diesem Teil der Hinrunde hat sich Schnorrenberg jetzt nicht mehr beschäftigt. Vielmehr spricht der Fußballlehrer sogar von „Vorfreude“ auf das neuerliche Kräftemessen mit der Mannschaft von Trainer Mike Terranova.

Lieber verweist Schnorrenberg auf das „enorme Engagement“, mit dem seine Mannschaft in Mönchengladbach aufgetreten sei: „Wir hatten eine positive Stimmung auf dem Platz.“ Die Laufleistung sei hoch gewesen, Mut und Aggressivität seien mit dem „kleinen Erfolgserlebnis“ belohnt worden. Schnorrenberg: „Das tut der Mannschaft gut.“

Unter den Augen des Gladbacher Bundesliga-Trainers Dieter Hecking sei Erndtebrück im Nachholspiel „mannschaftlich geschlossen aufgetreten“, betont Schnorrenberg: „Da kann man eigentlich niemand heraus heben.“ Er attestierte neben Torwart Niklas Jakusch, der in der zweiten Halbzeit zwei, drei Borussen-Möglichkeiten parierte, den anderen Neuzugängen Daniel Svab („Sehr, sehr gute Partie“) als Linksverteidiger und Armend Kabashi („Hat sich aufgerieben“) als „Zehner“ vor dem Mittelfeld feine Leistungen. Zudem ging Schnorrenbergs Plan auf mit Benjamin Kraft (vor Johannes Ludmann) und Hedon Selishta (vor Svab) auf den Außenpositionen im Mittelfeld, wo sie die Angriffe der Elf von Trainer Arie van Lent bereits abfangen sollten.

Eine Laufleistung wie in Mönchengladbach wünscht sich Schnorrenberg nun auch gegen Oberhausen: „Die brauchen wir jetzt alle drei Tage.“ Und spielt damit auf die sieben englischen Wochen hintereinander an, die seiner Mannschaft bald ins Haus stehen. „Mit einer guten Tagesform können wir einen Tick besser als der Gegner sein, gerade auf unserem Platz“, erklärt der TuS-Trainer und sagt, ohne den Ball ganz flach zu halten: „Wir wollen ja auch mal wieder gewinnen.“

Quelle fupa.net