Ein Hauch von Eintracht Frankfurt wehte durchs Frimo-Stadion in Lotte. Regionalligist TuS Erndtebrück hat das Westfalenpokal-Halbfinale bei den klassenhöheren Sportfreunden Lotte mit 2:1 (1:0) gewonnen und damit die Tür zu einer erneuten Teilnahme am DFB-Pokal sperrangelweit aufgestoßen. Gewinnt der SC Paderborn kommende Woche bei der SpVg Olpe sind die Wittgensteiner zum dritten Mal beim größten Vereinspokalwettbewerb Deutschlands dabei und können erneut auf ein Aufeinandertreffen mit einem der ganz Großen hoffen. „So etwas erlebt man als Amateurfußballer nicht oft. Die Jungs haben alles dafür getan“, konstatierte TuS-Trainer Florian Schnorrenberg nach Abpfiff einer bis zum Schluss spannenden Partie.

Erndtebrück begann mutig und störte den Aufbau des Drittligisten in Person von Sturmspitze Stefan Valentini und Kapitän Tim Treude früh. Da auf dem eher einem Acker gleichenden Geläuf flache und schnelle Kombinationen ohnehin schwerfielen, versteiften sich die Gastgeber schnell auf lange Bälle, die häufig im Aus landeten und ansonsten für die aufmerksame Hintermannschaft der Wittgensteiner zumeist eine leichte Beute darstellten. Offensive Akzente blieben auf Lotter Seite somit Mangelware, bis zur ersten echten Torannäherung waren so schon 30 Minuten vergangen.

Bezeichnenderweise war es dann eine Freistoß-Flanke, geschlagen vom ehemaligen Siegener André Dej, die im Gewühl am Fünfmeterraum bei Joshua Putze landete. Dessen Abschluss aus kurzer Distanz parierte TuS-Keeper Niklas Jakusch jedoch ebenso wie den Nachschuss von Maximilian Oesterhelweg aus 16 Metern und den harmlosen Versuch von Dej (39.). Das war es dann auch mit den Torabschlüssen der ansonsten biederen und lustlos wirkenden Sportfreunde im ersten Durchgang.

Ganz anders die Erndtebrücker: Leidenschaftlich warfen sie sich in jeden Pass, erkämpften gerade im Mittelfeld viele so genannte „zweite Bälle“ und schalteten dann wenn es ging schnell um. Das erste Mal brenzlig wurde es so nach 16 Minuten, als Treude für Valentini durchsteckte, dessen Schuss jedoch zu harmlos geriet. In der 34. Minute zog Yuki Nishiya ab – der Schuss wäre wohl vorbei gegangen, doch Yannick Zummack wehrte zur Ecke ab. Diese brachte Daniel Svab im zweiten Versuch nach Innen, Rossmann verlängerte unglücklich auf den Fuß von Marco Rente – 1:0 für den Außenseiter war der Pausenstand!

Nach dem Seitenwechsel war bei den Hausherren schnell das Bestreben erkennbar, das Geschehen mehr in die Erndtebrücker Hälfte zu verlagern. Der TuS zog sich etwas zurück und präsentierte sich dann brutal effizient. Nishiya wurde kurz hinter der Mittellinie gelegt, der Freistoß segelte 50 Meter durch die Luft und genau auf den Kopf von Valentini, der per Bogenlampe Lottes Schlussmann Zummack überraschte – 2:0 für den TuS, die erneute Teilnahme am DFB-Pokal zum Greifen nah!

Den Hausherren jedenfalls schien der Zahn zunächst gezogen. Obwohl Trainer Andreas Golombek schon nach 55 Minuten zum dritten Mal wechselte, passierte vor dem Erndtebrücker Kasten bis zur 79. Minute gar nichts. Dann aber verschätzte sich Marco Rente böse, unterlief einen aufspringenden Ball und rutschte dann auch noch weg, sodass Max Wegner plötzlich frei vor Jakusch stand und mühelos auf 1:2 verkürzte. Dem TuS stand damit in den letzten Minuten eine Zitterpartie bevor.

Nach 85 Minuten hatten dann die 698 Zuschauer den Torschrei auf den Lippen, nachdem Wegner eine Ecke verlängerte und Michael Hohnstedt plötzlich freistehend an den Ball kam. Der Mittelfeldmann war jedoch augenscheinlich überrascht und brachte keinen Druck in seinen Schuss aus kurzer Distanz, sodass Jakusch das Ergebnis festhielt. Die Bälle flogen nun im Minutentakt in den Gäste-Strafraum, die Souveränität in der Hintermannschaft war wie weggewischt. Lotte warf alles nach vorne und hatte in Person von Kapitän Alexander Langlitz die letzte Chance – Jakusch war jedoch auf dem Posten und hielt den Sieg fest (88.).

Der Rest war eine Jubeltraube der in rot angetretenen Erndtebrücker. Die „Finaaaaaale, ohoho“-Rufe tönten laut aus der Kabine. Trainer Schnorrenberg fasste es treffen zusammen: „Wir sind heute über uns hinausgewachsen!“

Quelle fupa.net