Der TuS Erndtebrück muss zum zweiten Mal nach 2016 aus der Fußball-Regionalliga West absteigen. Daran geht nach der 0:3 (0:1)-Niederlage des Tabellen-Drittletzten im Nachholspiel beim SV Rödinghausen (6.) wohl kein Weg mehr vorbei.

Zumindest ist der Gang in die Oberliga seit dem sportlichen Maigang der Wittgensteiner ohne Bollerwagen in den Naturpark „Nördlicher Teutoburger Wald“ so gut wie sicher. Den Bonner SC (1:2 beim SC Wiedenbrück), als 14. auf dem ersten Nicht-Abstiegsplatz acht Punkte voraus, kann der Vorjahres-Aufsteiger vom Pulverwald in seinen verbleibenden Spielen bei RW Essen am Samstag (14 Uhr) und beim Saisonfinale am 13. Mai gegen den letztjährigen Mitauf- und jetzigen Mitabsteiger FC Wegberg-Beeck (17.) nicht mehr einholen. Und auch das Hintertürchen zum Klassenverbleib, der viertletzte Platz im Falle des Aufstiegs des Regionalliga-Meisters in die 3. Liga, ist zugefallen. Erndtebrück könnte zwar im Idealfall noch zu Fortuna Düsseldorf 2. (15.), das sechs Punkte Vorsprung hat, aufschließen, hat aber die deutlich schlechtere Tordifferenz als die Rheinländer.

Als der Abpfiff ertönte, stand den Erndtebrücker Spielern die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Sie hatten, zumindest zeitweise, noch einmal alles versucht, das Glück im Kampf um den Klassenverbleib zu erzwingen. Doch es war offensichtlich: Sie waren nach den jüngsten englischen Wochen am Ende ihrer Kraft - und auch am Ende ihrer Möglichkeiten.

Die Möglichkeiten der Erndtebrücker waren auch diesmal in dem in Trainerkreisen viel zitierten „letzten Drittel“, also vor dem Strafraum, wieder beendet. Die Angriffsbemühungen des TuS zerplatzten spätestens bei den Flanken vor das Tor. Ein ums andere Mal kamen so Stefan Valentini, Yuki Nishiya und Co. dort eben nicht an den Ball. Anders dagegen die Gastgeber. Angetrieben von ihrem neuen Trainer Sebastian Block, der nach dem 1:7 vor Wochenfrist bei der SG Wattenscheid 09 und dem 2:5 am Dienstag in Bonn den Ex-Profi Alfred Nijhuis ersetzt hatte, kamen die Gastgeber zu Chancen. „Wir hätten in Rückstand geraten können“, räumte Erndtebrücks Übungsleiter Florian Schnorrenberg ein. In der 45. Minute war es soweit: Kapitän Tim Treude verlor den Ball an der Mittellinie, Fabian Kunze passte auf Kelvin Lunga, und der schoss zum 1:0 ein.

Mit Jan-Patrick Kadiata kamen die Wittgensteiner aus der Pause – quasi als leibhaftigen Beleg für ihren Leistungs-Verschleiß. Er habe Kadiata bewusst zunächst auf der Bank gelassen, dafür Nishiya bis zum Ende seiner Kräfte spielen lassen, erklärte Schnorrenberg. Immerhin: Kadiata brachte neuen Schwung ins Spiel. Cedric Heller spielte sich auf der linken Seite fast bis zur Grundlinie durch; dessen Flanke aber fand - beinahe typisch - keinen Abnehmer. Valentini und Treude konnten danach weitere Chancen zum 1;1 nicht nutzen. Dann aber war wieder Rödinghausen zur Stelle, erhöhte in der 66. Minute durch einen abgefälschten Schuss von Fabian Kunze auf 2:0. Und elf Minuten später sorgte Kevin Harder für die endgültige Entscheidung.

Bezeichnend für das Spiel in Rödinghausen, aber wohl auch für die ganze Saison der Erndtebrücker waren zwei Szenen in der Schlussphase: Kadiata schnappte sich couragiert auf der rechten Seite an Ball, kurvte nach links vor das Tor, scheiterte aber mit seinem Schuss an Keeper Jan Schönwälder (80.). Und der eingewechselte Benjamin Kraft setzte sich durch, flankte genau vors Tor, doch Valentini kam nicht richtig zum Ball (87.).

Nach dem letzten Saisonspiel gegen Wegberg-Beeck wird die Erndtebrücker Mannschaft für drei Tage zur Abschlussfahrt nach Mallorca aufbrechen. Und hoffentlich noch einmal neue Kräfte sammeln, schließlich steht sie am 21. Mai (Pfingstmontag) am Pulverwald noch im Endspiel des Westfalenpokals gegen den Zweitliga-Aufsteiger SC Paderborn.

Danach steht Erndtebrück vor einer ungewissen Zukunft. Die Mannschaft wird wohl auseinander fallen. Die meisten Spieler hatten sich bei ihrem Wechsel ins Wittgensteiner Land nur für eine Saison gebunden. Nur Ersatzkeeper Paul Schünemann, der inzwischen zum Co-Trainer erwachsene Philipp Böhmer, die Winter-Neuzugänge Admir Terzic und Lukas Rösch sowie Innenverteidiger Mehmedalija Covic, derzeit wegen eines Achillessehnenrisses an Krücken unterwegs, hätten Verträge über das Saisonende hinaus, sagte Schnorrenberg.

Über seine eigene Zukunft wollte sich der Brachbacher noch nicht äußern. Er verwies jedoch auf seine nun schon acht Jahre am Pulverwald. Schnorrenberg hatte seinen Vertrag im vergangenen Jahr bis 2019 verlängert.

Quelle fupa.net