Am Ende war es womöglich sogar ganz gut, dass nur 200 Zuschauer zum letzten Spiel des TuS Erndtebrück in der Regionalliga West in die Pulverwald-Kampfbahn gekommen waren. Denn die Besucher hatten beim Saison-Kehraus wenig Spaß an den Wittgensteinern. Sie verloren das Duell der beiden letztjährigen Auf- und nun wieder Absteiger gegen den FC Wegberg-Beeck klar und deutlich mit 1:4 (0:2).

Die Mannschaft von Trainer Florian Schnorrenberg spielte bei ihrem letzten gemeinsamen Liga-Auftritt ohne Motivation und bisweilen lustlos auf. Mit der Niederlage musste sie auf den letzten Drücker die Gäste vom Niederrhein in der Tabelle sogar noch vorbeiziehen lassen. Erndtebrück beendete die Saison auf Platz 17, einen Rang schlechter als in seinem ersten Regionalliga-Jahr in der Spielzeit 2015/16.

Schnorrenberg war mit dem Auftritt nicht zufrieden. „Ich ärgere mich maßlos“, sagte der Fußballlehrer in der Pressekonferenz. Da hatte der TuS in der Halbzeit-Pause so viel „Superjeile Zick“ über die Platz-Lautsprecher spielen können, wie er wollte.

Schon in der 7. Minute gerieten die Erndtebrücker in Rückstand. Einen Querpass von der linken Seite nahm Shpend Hasani auf und schoss überlegt rechts an TuS-Torwart Niklas Jakusch vorbei zum 1:0 ein. Eine gute Viertelstunde später traf Außenverteidiger Johannes Ludmann ins eigene Netz.

Nach dem Seitenwechsel kam Erndtebrück auf kuriose Weise zum 1:2-Anschluss (62.). Als ein Gästespieler am Boden lag und niemand so wirklich wusste, ob Schiedsrichter Cem Sayilgan (DJK Gummersbach) das Spiel unterbrochen hatte, schoss Mehdi Reichert auf das Tor von Wegberg-Beeck. Schlussmann Stefan Zabel reagierte nicht, ließ den Ball passieren. Die Folge nach minutenlanger Diskussion: Erndtebrück ließ Simon Küppers unbedrängt den alten Abstand wieder herstellen. Eine Entscheidung, die Friedel Henßen, Teammanager von Wegberg-Beeck, den Wittgensteinern hoch anrechnete. „Diese Szene hat das Spiel geprägt“, sagte er – und schlug Erndtebrück gleich für den nächsten Fairness-Preis vor. Da war das 1:4 vier Minuten vor dem Abpfiff durch Joshua Holtby (im Sommer zu Alemannia Aachen), Bruder des am Wochenende mit dem Hamburger SV aus der Bundesliga abgestiegenen Lewis Holtby, nur noch Nebensache.

Überhaupt war das Spiel gegen Wegberg-Beeck wie ein Spiegelbild der Erndtebrücker Saison. Ohnehin hätte sein Team nur 28 Tore geschossen, bemängelte Schnorrenberg, und dann sei das 28. Tor eben jener kuriose Treffer gewesen, bei dem der gegnerische Torwart mitgeholfen habe. Und gegen den Bonner SC (13.) und Fortuna Düsseldorf 2. (15.), zwei direkte Konkurrenten im Abstiegskampf, hat Erndtebrück keinen Punkt geholt. Gegen Wegberg-Beeck (16.) stehen nach der Niederlage auch nur drei Zähler auf der Haben-Seite des TuS.

In Erndtebrück sind derweil die Planungen für die nächste Saison angelaufen. Die aktuelle Mannschaft wird sich bekanntlich in alle Winde zerstreuen. Dominik Jordan, nur sechs Monate nach seinem Kreuzbandriss zumindest für die letzten zehn Minuten erstmals wieder auf dem Platz, sagte nach dem Abpfiff: „Um in der Oberliga zu spielen, brauche ich nicht in Erndtebrück zu sein. Das kann ich auch in Hamburg, in der Nähe meiner Familie.“

Noch vor dem Westfalenpokal-Endspiel (21. Mai) gegen den Zweitliga-Aufsteiger SC Paderborn will Schnorrenberg die ersten Umrisse eines „attraktiven Oberligisten“, der im DFB-Pokal mitspielt, gezeichnet haben. Henßen hat dagegen ein festes Ziel für Erndtebrücks Mitabsteiger Wegberg-Beeck vor Augen: „Wir wollen versuchen, wieder aufsteigen, damit wir zum 100-jährigen des Vereins wieder in der Regionalliga spielen.“

Quelle fupa.net