Vor der Saison bezeichnete Stefan Trevisi, Trainer des TuS Erndtebrück, das 40-Spiele-Programm der Oberliga als „Wahnsinn“. Doch nachdem zuletzt immer sieben Tage zwischen den einzelnen Spieltagen lagen, nimmt der Wahnsinn erst ab dem heutigen Donnerstag so richtig Fahrt auf: Heute Abend ist mit dem RSV Meinerzhagen ein Aufstiegsaspirant zu Gast am „Pulverwald“. Dabei wirkt der 1:2-Auswärtserfolg beim SC Westfalia Herne nach vier Tagen noch in den Knochen nach, während das nächste Gastspiel beim aktuellen Spitzenreiter, dem Holwickeder SC (Sonntag, 15 Uhr), seine Schatten voraus wirft.
Die erste englische Woche wird für die Trevisi-Elf zu einer Bewährungsprobe. Denn das, wovor sich der neue Linienchef vor der Saison am meisten fürchtete, sucht die Erndtebrücker nun klammheimlich heim: Ein Verletztenproblem. Admir Terzic wird zwar wieder im Kader stehen, ist aber noch kein Kandidat für die ersten Elf. Mit Linus Stahl, Tim Schrage, Ardian Kameraj und Din Alajbegovic fällt ein Quartett definitiv aus, während Benedikt Brusch nach einem überstandenen Magen-Darm-Infekt fraglich ist.
Eine schlagkräftige Truppe wird um 19 Uhr dennoch auf den Platz stehen können und versuchen wollen, die Überraschung herbeizuführen. Nach zwei „Dreiern“ in Folge können die Pulverwälder mit breiter Brust auftreten. Für etwas Zählbares muss im Flutlichtspiel alles zusammenpassen, so Trevisi: „Selbst wenn wir hundert Prozent unserer Leistung abrufen, hängt es immer auch von Meinerzhagen ab, ob wir punkten.“Mit einem Sieg könnte Erndtebrück in der Tabelle am punktgleichen Gegner aus Meinerzhagen vorbeiziehen – allerdings haben die Volmetaler durch ihre DFB-Pokalteilnahme bisher ein Spiel weniger absolviert. Während sechs Punkte aus vier Spielen für Erndtebrück ein erster Erfolg auf dem Weg zum Klassenerhalt sind, stellt sich Meinerzhagen nach einem nur knapp verpassten Regionalliga-Aufstieg in der abgebrochenen Vorsaison ganz andere Ziele.
„Die größte Stärke ist, dass Meinerzhagen auf allen Positionen stark besetzt ist. Da muss ich gar nicht viel zu sagen. Diese Erfahrung im Kader ist in der Liga außergewöhnlich. Sie haben ein super Trainerteam, sind taktisch gut eingestellt und haben eine individuelle Klasse, die seines Gleichen sucht“, warnte Trevisi.
Ganz unantastbar sind die Volmetaler aber auch nicht: Der TuS Haltern machte vor zehn Tagen vor, wie man dem Titelaspiranten trotzen kann. Die Elf vom Silbersee nutzte beim 4:2-Sieg ihre wenigen Chancen eiskalt aus und ließ hinten trotz Meinerzhagener Dominanz nur wenige Möglichkeiten zu.
Zuletzt kehrte der RSV dann aber auf die Siegerstraße zurück und gewann beim TSV Victoria Clarholz mit 4:1, verlor allerdings Ansgar Pflüger, der nach einer Notbremse von Platz geschickt wurde und nun für zwei Partien passen muss. Außerdem fehlt weiterhin Kapitän Julian Jakobs, der sich mittlerweile aber im Aufbautraining befindet. Auch Hakan Demir fällt aus.
Trainer Mutlu Demir und sein "Co" Fisnik Zejnullahu nutzten den spielfreien Sonntag, um sich die Erndtebrücker gegen Herne anzuschauen. "Verdiente drei Punkte", konstatiert Demir und ergänzt: "Erndtebrück kann befreit aufspielen nach dem Start. Uns erwartet definitiv keine leichte Aufgabe, der TuS wird alles ins Zeug legen. Aber wir wissen um unsere Stärken. Wichtig wird es sein, den Ball schnell laufen zu lassen."
Das Haltern-Spiel soll letztlich das Leitbild für Erndtebrück sein, um für einen Punkt oder mehr in Frage zu kommen, weswegen Trevisi von seinen Spielern eine deutliche Steigerung, im Vergleich zu den knappen Siegen gegen Clarholz und in Herne erwartet: „Die Ergebnisse zuletzt sind gut. Spielerisch ist aber noch Luft nach oben. Für meinen Geschmack haben wir zudem bei Standards zu viele Chancen zugelassen und vorne oft nicht die richtige Entscheidung getroffen.“
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